Review Reggae

Various Artists

Tokyo Riddim 1976-1985

Time Capsule • 2023

1979 tourten Bob Marley und seine Wailers erstmals durch Japan. Wie der Titel dieser Compilation aber beweist, wäre schon eine Zeitkapsel nötig, um dieses musikalische Ereignis als die Initialzündung von Reggae und seinen wesensverwandten Spielarten im Inselstaat zu begreifen. Nein, die Musikrichtung verbreitete sich in Japan schon früher und nahm im Laufe dieses Prozesses verschiedene Einflüsse auf, die die vorliegenden acht Tracks spiegeln. Wie die Liner Notes verraten, schwappte Reggae nicht zuletzt durch den Welterfolg von Acts wie The Police, die mit seinem weißen Abziehbild mächtig Kasse machten, nach Tokio, wo er mit dem vorherrschenden City Pop eine fruchtbare Beziehung einging. Beide Genres lassen sich beim Hören dieser Veröffentlichung nicht getrennt denken. Izumi »Mimi« Kobayashis »Lazy Love« etwa hätte auf Compilation-Serien wie »Pacific Breeze« ebenfalls eine hervorragende Figur gemacht. Aus der Reihe, zumindest anfangs, tanzt Junko Yagamis Anti-Apartheid-Track »Johannesburg«, der erst mal ziemlich gerade lospoltert. Später dann findet auch er seinen schlurfenden Groove, dem über die acht Stücke hinweg immer wieder Eigentümliches, Ulkiges, Interessantes beigemengt wird. Nicht nur wegen der völlig Reggae-untypischen weiblichen Vocal-Hooks, die auf »Coffee Break« auf klassische Rhythmusgitarren-Riffs treffen, entsteht mitunter Großes. Die japanischen Acts behandelten das ihnen fremde Genre zwar jederzeit mit Respekt, erstarrten aber nicht in Ehrfurcht und ergingen sich schon gar nicht im schnöden Epigonentum. Das macht »Tokyo Riddim 1976-1985« zu mehr als einem bloßen Zeitdokument, nämlich: Zu einem hörenswerten Stück Musik.

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