Review

Valerio Tricoli

Miseri Lares

PAN Records • 2014

Tape des Jahres 2024

Ein Surren ertönt. Donner rollt, vereinzelt fällt Regen. Es raschelt und knackst – sind das Zweige, die brechen? Und wenn ja: Heißt das, da kommt wer? Heißt das, zu dem Gewirr der Stimmen, die in Italienisch, Englisch und anderen Sprachen unverständliche Sätze zischeln, gehören auch Körper? Valerio Tricoli braucht nicht lange, um mit seinem ersten Album seit sieben Jahren den nackten Horror zu evozieren. Nach einer Split-12“ mit Thomas Ankersmit anno 2011 und einem Tape-Release, das sich Valerio Tricoli mit Bill Kouligas teilt, dem Gründer des Plattenlabels PAN. Dort ist auch »Miseri Lanes« erschienen, seine dritte Veröffentlichung dort, die wiederum an der Schnittstelle von avantgardistischen Konzepten und experimentellen Entwürfen von Clubmusik agiert. Valerie Tricoli schreibt sich einerseits aus der Tradition der musique concrète fort, andererseits erkundet er viel deutlicher noch als Pierre Schaeffer und Konsorten die Möglichkeiten des Erzählens. Auch, wenn es eine eigentümliche Form von Narration ist, die Tricoli mit seinen Collagen von Feldaufnahmen, die zuerst mit Tape Recorder aufgenommen und dann digital bearbeitet wurden, verfolgt. Die Stimmen, die dort zischeln, zitieren von Dante über H. P. Lovecraft bis zu Valerio Tricolis eigenen Schriften, sogar zu kurzen Dialogen kommt es – ein Kontext oder ein Zusammenhang wird jedoch nie erkenntlich. Der versatzstückhafte Charakter der Vocal-Samples wird aber in ein unaufgeregtes Gesamtkonzept eingebettet, das weder wahllos noch plump daherkommt, im Gegenteil. Tricoli setzt mit seinen dichten Klangcollagen auf sich langsam entfaltenden Schrecken, nicht auf Schockeffekte. So entspinnt sich eine abstrakte Geschichte, die weder Anfang noch Ende zu haben scheint und gerade deshalb zum Rewind einlädt.

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