»All We Need« … is peace, love, empathy. Die Weiterführung des Albumtitels könnte kaum anders lauten. Denn, Raury der erst 19-jährige aus Atlanta, Georgia will mit seiner Musik nichts weniger erreichen, als die Welt zu einem besseren Ort machen. Sein herausragendes Talent legitimiert dabei diese großspurigen Ankündigungen. Sein einziges Problem: Er will so viel, dass die Songs seines hier vorliegenden Debüts zwar ambitioniert, doch unausgereift bleiben. Angedeutet hat Raury sein Können erstmals auf dem Debüt-Mixtape »Indigo Child«, auf »All We Need« offenbart der junge Mann musikalisch noch mehr Facetten: Alternative, Folk, Soul, Hip Hop, R’n’B, Funk, ein bisschen Elektro oder einfach Genre-lose Musik, wie Raury selbst meint. Die Kollaborationspartner der noch jungen Karriere sind ein Spiegel dessen: SBTRKT, Joe Bada$$ oder Gucci Mane in der Vergangenheit, Tom Morello, RZA, Big K.R.I.T. und Dangermouse auf »All We Need«. Sein Genre-Hopping ist dabei Stärke und Fluch dieses Albums zugleich: Da löst eine klimpernde, einen in einem spanischen Hotel wähnende, Akkustikgitarre die den Opener eröffnenden Synthesizer ab, der choreale Gesang geht in einen Rap-Part über, selbst ein Trompetensolo hat noch Platz gefunden. Raury ist ohne Zweifel ein interessanter Künstler, ein begabter Singer/Songwriter, auch ein passabler Rapper. Seine säuselnde »Son Of A Preacher Man«-Art mag nicht jedermanns Sache sein, sein Talent aber birgt mehr Potential, als das des austauschbaren Möchtegern-Allroundartist der Generation Tumblr. Die hier noch verbleibende Luft nach oben, sollte Raury in den nächsten Jahren mühelos verringern können – dafür muss er seine Kreativität nur besser verteilen.

All We Need