Von der Hochzeitskapelle mit Wüstenpanorama zur Hardrockband mit Moshpit: Der Werdegang der Band aus dem Niger und ihres gleichnamigen Gitarristen ist so erstaunlich wie unwahrscheinlich. Das neue Album »Funeral For Justice« ist nicht nur das wütendste und politischste des Quartetts – so heftig hat man Tuareg-Rock noch nie gehört. Die Musiktraditionen der Sahara in Mali, Niger und Algerien, der Heimat des Tuareg-Volkes, prägen zwar nach wie vor den Sound von Mdou Moctar, doch wenn es lauter und rauer wird, lässt der Ausnahmegitarrist mit voll aufgedrehtem Verstärker seiner Liebe zu Jimi Hendrix und Eddie Van Halen freien Lauf. Teilweise in der Tamasheq-Sprache des Wüstenvolkes gesungen, wird vor allem die ehemalige Kolonialmacht Frankreich angeklagt (»Oh France«), deren grausame Machenschaften der Vergangenheit in weiten Teilen Afrikas noch heute für Chaos, Armut und Unsicherheit sorgen. Auch der Titeltrack und Songs wie »Modern Slaves« thematisieren diese Misere in Moctars Heimat, die durch den Militärputsch nach Fertigstellung des Albums sicherlich noch verschärft wurde. Umso wichtiger sind die antikolonialistische Stimme und die lauten Gitarren einer Band, die bei aller verständlichen Wut mit viel Spielfreude ihre Lebensfreude zelebriert.
Mdou Moctar
Tears Of Injustice
Matador