Wer Simplizität als Gegenargument für musikalische Qualität ins Feld führt, ist entweder ein Virtuose oder hat nichts verstanden. Die japanische Pianistin Masako Ohta und der deutsche Trompeter Matthias Lindermayr haben zum zweiten Mal ein Duo-Album aufgenommen, auf dem sich Understatement und Minimalismus zu den schönsten musikalischen Strukturen formieren. War »MMMMH« von 2022 durch und durch improvisiert, so ist die Musik auf »Nozomi« eine Mischung aus komponierten und improvisierten Elementen. Was für die Hörer*innen keinen großen Unterschied macht.
Sie, klassisch ausgebildete Pianistin, und er, hauptberuflich Trompeter bei der Münchner Groove-Kraut-Latin-Jazz-Band Fazer, schaffen mit ihrer Musik eine sanfte Lyrik. Es findet eine echte Kommunikation zwischen den Instrumenten statt. Oft führt Lindermayrs Trompete, tritt aber in den Hintergrund, wenn sich in Ohta eine Idee formt, die keinen Aufschub duldet. Wo das Album stilistisch steht, zeigt die einzige Coverversion: »Hibari« von Ryuichi Sakomotos 2009 erschienenem Album »Out Of Noise«. Der Japaner war auch einer, der sich am liebsten in einer Grauzone bewegte, an der musikalische Zuschreibungen, wie wir sie kennen, nur grenzwertig sind.
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Nozomi