Als »Loopworks« von Koray Kantarcıoğlu im Jahr 2018 erschien, war es zugleich ein außergewöhnliches Album, wie es eigentlich mit bekannten Formeln arbeitete: Der Bild- und Klangkünstler erschuf ausgehend von bis fast zur Unkenntlichkeit manipulierten Loops gespenstische, getragene Ambient-Stücke, die in ihrer Machart an William Basinski und noch eher an die britischen Vertreter*innen des Hauntology-Prinzips erinnerten. Doch indem er sich auf Aufnahmen türkischer Musik aus den 1960er- und 70er-Jahren konzentrierte, ließ Kantarcıoğlu über deren tonalen Eigenschaften einen ganz anderen Sound entstehen. »Loopworks 2« knüpft daran an und stützt sich doch auf ein breites Ausgangsmaterial, das New-Age- und Jazz-Veröffentlichungen umfasst und bisweilen von Berke Can Özcan am Schlagzeug oder der Drone-Folk-Künstlerin Ekin Fil musikalisch ergänzt wird. Die von elf von ebenso vielen Outtakes auf einer Bonus-CD begleiteten Stücke klingen dementsprechend entrückter und bisweilen esoterischer, manchmal aber umso fokussierter als noch das Vorgängeralbum. Es scheint, als würden die Konturen von Koray Kantarcıoğlus gleichzeitig zu verblassen wie sich daraus neue Strukturen entwickeln. Das Ergebnis dieser zirkulären Prozesse von Verflüchtigung und Formwerdung ist nicht weniger als überragend.

Loopworks 2