Warum auch immer, »Michael«, das Soloalbum von Killer Mike aus dem Jahr 2023, gewann einen Grammy und stand auf so mancher Jahresendliste ganz oben. Therapeutisch und intim sollte die Rap-Platte sein – Killer Mike wollte uns den Typen hinter der Superheldenmaske zeigen -, kam aber glatt und identitätslos daher. Ein enttäuschendes Album. Der Nachfolger »Michael & the Mighty Midnight Revival: Songs for Sinners & Saints« soll nun Teil der gleichen Ära sein. Der Rapper nahm die Platte mit einem Gospelchor auf, was hier durchaus funktioniert: Wenn in »NOBODY KNOWS« die durchaus ansprechenden Chöre hinzukommen, erinnert das an ähnliche Momente im Werk von Kanye West. Auch das wunderbare Orgel-Outro in »HIGHER LEVEL« überzeugt und funktioniert im kirchlichen Gesamtkontext gut.
Aber: Killer Mike rappt zwar beeindruckend – im technischen Sinne –, klingt aber nie wirklich ansprechend. Außerdem malt er sich als ehrenhafter Ritter, der die Moral jeden Morgen mit dem Löffel frühstückt, seine abhängige Tante wie einen richtigen Menschen behandelt und all die Mütter seiner Kinder respektiert. Wie komisch, mit Selbstverständlichkeiten anzugeben. »I remember them days, makin‘ minimum wage. I was tryna maintain, look how far I done came«, rappt er in »EXIT 9 (SCENIC ROUTE)« und kann diese altbekannte Erzählung – ich komme aus dem Nichts und habe alles erreicht – nicht interessant rüberbringen. Killer Mike klingt hier fast selbstgefällig. Dafür, dass er sich ständig an Gott richtet, wirkt das Album nie wie eine echte Beichte.