Andrew Butler, Mastermind hinter Hercules & Love Affair, würde ganz sicher widersprechen, wenn man bei den hier versammelten Stücken despektierlich von »Tracks« sprechen würde. Butler steht seit jeher für die großen Gefühle – auch auf der Tanzfläche – und hat hier zweifellos nur »Anthems« im Sinn. Gefühle, Gesten, Attitüde – Attribute, die sie der großen New Yorker House Ära bis Mitte der Neunziger Jahre gemein waren. Das war die Zeit der Superclubs, der Sound Factory, des Twilo oder Zanzibars, die Zeit der Superstar-DJs, der Dukes, Juniors, Victors, Kennys, Louies, Dannys oder Rogers, die Zeit der Divas und Drag Queens und schließlich auch die Zeit der New Yorker Labels, von Nu Groove und Strictly Rhythm. Eine Zeit, die Butler spät mitbekommen hat, und die dennoch entscheidenden Eindruck hinterlassen hat. Bricht man es darauf herunter, so ist Butlers DJ Kicks eine persönliche Hommage an diese Ära, in der zwei Personen besonders wichtig für ihn waren. So widmet er den Kompositionen DJ Dukes gleich zwei Erwähnungen in den Trackliste, sein persönliches Idol Victor Simonelli ist gar drei mal vertreten. Kein Wunder – die beiden ganz großen Mitgestalter dieser verehrten Ära, verstanden auf galanteste Art, ihre durchaus minimalen Produktionen mit einer verdeckten Energie zu beladen, deren Sogwirkung es hier zu bestaunen gibt und die jungen Menschen heute vortrefflich zu verstehen gibt, warum der Kanon der heute produzierten House-Musik gerade so zu klingen vermag.

DJ-Kicks