Die Frage ist so alt wie das (Rap-)Internet: »Ist das ein Mixtape oder ein Album?« Den Vorwurf, als TikTok- oder YouTube-Persönlichkeit keinen »richtigen« HipHop machen zu können, werfen sich Mark-Foster-Look-A-Likes seit GTA IV gegenseitig an den Kopf. Nochmal zum Mitschreiben, Jungs: Social Media hat das Jugendzentrum längst abgelöst. Auch Doechii, Floridianerin des Jahrgangs 98, ist im virtuellen Proberaum erwachsen geworden. Mit ihrem Major-Debüt »Alligator Bites Never Heal« hat sie gerade als dritte Frau überhaupt einen Grammy in der Kategorie »Best Rap Album« gewonnen und damit schon jetzt Geschichte geschrieben. Nennen wir es Sell-Out, Startschuss oder Sommermärchen.
»And if I died today, I’d die a b*stard/ TikTok rapper, part-time YouTube actor«, hatte die Don Diva ihren Status auf »Stanka Pooh« zuvor selbst prophezeit. Denn dis‘ is, wo sie herkommt. Ein paar solcher selbstironischen Mixtape-Limericks zwischen Einflüssen von Tyler bis Lauryn hätten für die Dreiviertelstunde locker gereicht. Doch stattdessen mischt die Swamp Princess Doug E. Fresh-Tracks, Muggsy Bogues-Referenzen und Isaac Hayes-Samples mit mal komischen, mal tragischen Deep Dives zu einem 45-minütigen Rap-Wow-Effekt.
»Alligator Bites Never Heal« ist ein lyrisches FMA-Reel über Hypes und Downs im Alltag einer 20-Something. »Life is just like a bike, it don’t move unless you pedal/ Less about who is better and more ‚bout who blessing them«, schnurrt sie auf »Wait«. Sensibel und doch kämpferisch, mehr Bahamadia als Cardi B, ist Doechiis Musik erfrischend unaufdringlich. Auch deshalb dürften die SZA/Kendrick-Vergleiche ihres Labels Top Dawg Entertainment fast stündlich in den Pressespiegel purzeln. Vielleicht rettet Doechii nicht den Hip-Hop, aber das Musikjahr 2025. Und das Format »Mixtape« gleich mit.