In »Baltimore«, dem berührendsten Song auf »Horror«, wägt Bartees Strange die Vor- und Nachteile verschiedener amerikanischer Städte ab, »D.C. is nice, but the summers are tough«, und stellt fest, dass er nirgendwo hinzugehört. Dieses Thema passt perfekt zur musikalischen Ästhetik dieses sehr speziellen Künstlers: Bartees Strange kann sich nicht nur für keinen Wohnort entscheiden, sondern auch für kein Genre (schon auf seinem Debütalbum »Live Forever« sang er »Genres keep us in our boxes«). Schließlich ist die Musik auf „Horror“ zwar Indierock vom Feinsten, aber noch viel mehr.
Der Opener »Too Much« klingt zunächst nach The Strokes, bis irgendwann gerappt wird, wenig später Metalgitarren hinzukommen und das Ganze dann gar nicht mehr so weit von Limp Bizkit entfernt ist. Schon der zweite Track »Hit It Quit It« kommt dann als Bruch in Richtung Anderson .Paak, es folgen Alt-Country-Stücke à la Wilco und in »Lovers« auch Einflüsse aus dem Detroit-Techno, überall klingt Bartees Strange zuhause. Nichts passt zusammen, aber so konsequent, dass dieses Genre-Hopping zum stimmigen Rahmen wird.
Der andere rote Faden, der sich durch die ganze Platte zieht: Angst als inhaltlicher Fokus. Und dieses Thema hat für Bartees Strange auch mit seinem Äußeren zu tun: »The first time I felt impending doom, was realizing I’m too black for the room«, singt er – und scheint auf »Horror« gleichzeitig festzustellen, dass das beste Mittel gegen Angsthaben eben Machen ist. Also macht Bartees Strange sehr, sehr viel.
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Horror Black Vinyl Edition