Wild, das zweite Album von Aya. Musikalisch und emotional. Mittlerweile aus Manchester in London angekommen, scheint ihre Zeit nach dem umtosten Debuüt auf Hyperdub nicht so großartig gewesen zu sein. Ihre neuen Tracks handeln laut eigenem Bekunden von »desperation and dysfunction of addiction. Internalised phobias and suppressed traumas«. Und so lässt Aya der Wut und Verzweiflung auf »Hexed!« freien Lauf, schreit, heult und agitiert mit wilder Stimme, die in ruhigeren Spoken-Word-Momenten an Anne Clark erinnert. Das alles zu einem Cluster aus schnellen Technobeats, Electropunk-Knarzen, Pop-Trance, verzwickten elektronischen Grooves, digitalen Sounds für noch zu programmierende Videospiele und ruhigen, fast sakralen Drone-Momenten.
Ein konsequentes Album. Überlegt produziert und dennoch völlig aus dem Bauch heraus. Selbst leise Momente, wie der Titeltrack, klingen nach Schrei, ohne das Aya kreischt. Ihre Stimme trägt vielfältiges Make-Up. Mal Aya pur, dann stürmisch in Doom-Manier oder durch Effekte vernebelt, bebt sie am Rande eines digitalen Soundvulkans und seziert fesselnd persönliche Gefühle und Albträume. Atmosphärisch kann »Hexed!« auch als nervöse musikalisch poetische Erregung gegenüber der rasanten Dynamik der Algorithmen und einer Welt in Zeiten des humanistischen Rückschritts verstanden werden. Eine sehr menschliche, trotz der vielen digitalen Effekte und Sounds. KI kann sicher niemals so zerkratzt wütend sein!

Hexed!