Review Rock

Ash Ra Tempel

Seven Up

MG.Art • 1973

Nachdem er einen radikalen Kulturwandel verkündet und mit der Formel »Turn on. Tune in. Drop out« die Behörden der damals wie heute zutiefst reaktionären USA auf sich hetzt, flieht Timothy Leary 1971 ins Schweizer Exil, um dem FBI zu entgehen. Versteckt von einem Waffenhändler, der es als seine Pflicht ansah »Philosophen zu schützen«, hatte Leary alle Hände voll zu tun sein persönliches wie politisches Leben zusammenzuhalten. Dennoch gelang es Manuel Göttsching und Hartmut Enke den weltberühmten LSD-Guru in dieser Zeit für ihr drittes Album zu gewinnen – nicht als kreativen Beistand oder Rezitator prägnanter Wirksprüche, sondern als Sänger frenetischer Vocal-Freakouts, die bis zu seinem Tod 1996 nie wieder von Leary zu vernehmen waren. Der Weggang von Klaus Schulze lag gerade erst ein paar Monate zurück, als die Aufnahmen zu »Seven Up« begannen, was sich sehr deutlich im groovenden Proto-Punk der A-Seite niederschlägt. Während der sphärischen Spoken-Word-Passagen in »Space« zoomen Gitarren und Drums wie auf einer interstellaren Radiofrequenz immer wieder rein und raus, schallen mal aus dem Hintergrund und sind im nächsten Moment erneut vorne ganz nah am wahrnehmenden Ohr. Psychedelische Qualitäten entwickeln sich dabei gleichberechtigt neben den bluesigen Songstrukturen, die Leary viel Raum zum Ausrasten geben. Nicht selten erinnert das dann an den megalomanischen Duktus des jungen Jim Morrison, nur weniger poetisch. Dennoch: wer hätte dem renommierten Psychologen so etwas zugetraut? In typischer Ash-Ra-Manier entfaltet sich die B-Seite des Albums als dampfendes Klanggebäude, in dem die Band umherirrt wie in einem gedimmten Fiebertraum. »Time« birgt mit seinen verschiedenen Sätzen dementsprechend auch die eigentliche Immersionskraft der Platte, wenngleich Ash Ra Tempel erst mit dem hiernach folgenden »Join Inn« wenige Monate später im Dezember 1972 ihren kompositorischen Zenit erreichen würde. Dann auch wieder mit Dieter Dierks am Mischpult und ein letztes Mal mit Schulze an den Synthesizern.

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