Das schon vor einigen Jahren neu belebte Interesse an türkischem Pop aus den 1970er und 1980er-Jahren ist ungebrochen. Legendäre Protagonisten der türkischen Szene wie Moğollar oder die ikonische Sängerin Selda Bağcan sind auf europäischen Konzertbühnen gern gesehene Gäste. Nicht nur in Deutschland rückt langsam die von der Mehrheitsgesellschaft lange ignorierte Kultur der »Gastarbeiter« ins Bewusstsein.

Yarin Yoksa HHV Exclusive Clear / Purple Smoke Vinyl Edition
Jüngere Acts wie Altin Gün aus Amsterdam, die dieses Jahr beim renommierten Roadburn-Festival im niederländischen Tilburg auftreten, oder Gaye Su Akyol greifen den Anadolu Rock auf und kombinieren ihn mit Rock, Disco und anderen Einflüssen. Eine der spannendsten Musikerinnen in diesem Zusammenhang ist die im Hamburger Stadtteil Veddel geborene Derya Yıldırım. Auf ihrem gerade erschienenen neuen Album »Yarın Yoksa« (zu Deutsch: Wenn es kein Morgen gibt), dem vierten mit ihrer Band Grup Şimşek, erweitert sie noch einmal ihr Spektrum.
Von Veddel in die Elbphilharmonie
Mit dem Produzenten Leon Michels in New York aufgenommen, klingt Yıldırıms Musik auf »Yarın Yoksa« weicher, wärmer denn je, während Michels auch Soul- und Funk-Aspekte herausstreicht. Das traditionelle »Hop Bico« und »Ceylan« von Neşet Ertaş verweisen auf die Wurzeln, während der Titel des Albums ganz ausdrücklich die Dringlichkeit der Musik in den Fokus nimmt, die für Yıldırım immer eine gesellschaftliche Dimension hat. Als Möglichkeit, zusammenzukommen, Menschen zu verbinden.
Mit ihrer Band wird Derya Yıldırım im Sommer in den USA auf Tournee gehen, in ihrer Heimstadt Hamburg war sie zuletzt im großen Saal der Elbphilharmonie zu hören. Manchmal zieht Derya Yıldırım aber auch den intimen Rahmen vor und tritt allein auf. Nur mit ihrer einnehmend geschmeidigen Stimme und melancholischen Melodien und der von ihr virtuos beherrschten Langhalslaute Bağlama führt sie in die Welt der anatolischen Folklore ein. Ihre Einflüsse? Hier sind zehn davon.

Derya Yıldırım: Dieses Album bedeutet mir sehr viel, weil Fikret Kızılok einer der wichtigsten Singer-Songwriter für mich ist. Seine Musik hat mich nachhaltig inspiriert und geprägt.
Sebastian Hinz
Derya Yıldırım: Die Songs von »Estarabim« liefen rauf und runter im Auto meines Vaters – vor allem auf dem Weg zur Musikschule. »Estarabim« war unser gemeinsamer Hit und weckt bis heute Erinnerungen an diese Zeit.
Redaktion
Derya Yıldırım: Graham Mushnik hat mir dieses Album vor einem Jahr empfohlen, und seitdem hat es viel in mir ausgelöst. Es resoniert immer noch in mir und ich entdecke mich in Dorothy Ashbys Musik auf eine besondere Weise wieder.
Redaktion
Derya Yıldırım: Dieses Album ist eine Schnittstelle in meinem Leben. Seitdem ich »Yeti Season« höre, fühle ich mich mit El Michels verbunden. Einige Zeit später wurde ich bei Big Crown Records gesigned und habe mein neues Album aufgenommen – es schließt sich ein Kreis.
Redaktion
Derya Yıldırım: Barış Manços Musik hat mich seit meiner Kindheit begleitet. Seine Alben liefen bei uns zu Hause ständig, vor allem auch seine Kinderlieder. Aber »2023« hat für mich eine besondere Bedeutung.
Redaktion
Derya Yıldırım: Die Stimme von Selda Bağcan begleitet mich, solange ich denken kann. Dieses Album erinnert mich besonders an meine Kindheit – ihre Stimme fühlt sich an wie Zuhause.
Redaktion
Derya Yıldırım: Arif Sağ ist die bedeutendste Bağlama-Ikone der Türkei, und dieses Album ist für jeden Bağlama-Spielerin Pflicht. Es bringt mich zurück zum Essenziellen in der Volksmusik und zeigt, warum er so prägend für die Etablierung der Bağlama war.
Redaktion
Derya Yıldırım: Moğollar sind ein zentraler Bestandteil meiner musikalischen Inspiration. Ihre Mischung aus Volksmusik und psychedelischen Elementen hat einen einzigartigen Sound geschaffen, den ich nicht genau beschreiben kann – aber er hat mich tief beeinflusst.
Redaktion
Derya Yıldırım: Neben Selda Bağcan ist Tülay German eine der Stimmen, die mich mein ganzes Leben begleitet haben. Dieses Album hat eine besondere Ruhe, eine Zartheit und Ehrlichkeit, die mich sehr berühren. Die reduzierte Instrumentierung macht es umso eindrucksvoller.
Redaktion Zur Review
Derya Yıldırım: Dieses Album haben wir auf Tour für uns entdeckt, beim gemeinsamen Musikhören in der Band. Labi Siffre hat etwas Folkiges, aber auch etwas völlig Eigenes, Inspirierendes. Ich höre die Songs so oft, dass ich die Texte fast auswendig kann.
Redaktion