Review

Apparat

Krieg und Frieden

Mute • 2013

Nach zwölf Jahren erfolgreicher Arbeit auf sieben Studioalben, unzähligen Maxis oder in gelungenen Kolaborationen wie Moderat und Orchestra of Bubbles, wagt sich Sascha Ring alias Apparat nun in komplettes Neuland vor. Für die von Sebastian Hartmann inszenierte und auf den bekannten Ruhrfestspielen in Recklinghausen aufgefürte Interpretation des Tolstoi-Klassikers »Krieg und Frieden«, liefert er nun »Musik fürs Theater«. Um die verschiedenen Stimmungen des Buches für die Büne zu vertonen, erhielt er vom Regisseur größtmögliche Freiheit, ganz ungezwungen seine eigene Interpretation der tolstoischen Szenen vorzunehmen. In zwölf Stücken erschafft Ring mit gerade mal einem Cello und einer Violine zusammen, eine beinahe akustische Klangwelt, die überwiegend melacholisch, düster und ruhig daherkommt. Indem Apparat sich selbst dabei eher respektvoll zurücknimmt, mutet das Werk überwiegend kammermusikartig an, nicht zuletzt der minimalisten Streicherinstrumentierung geschuldet, die sich klanghistorisch an der im frühen 19. Jahrhundert stattfindenden Szenerie orientiert. Nur gelegentlich bricht sich Apparats Liebe zu Drone und Ambient Bahn und entführt den Hörer bzw. Zuschauer in ungeahnte Höhen, während auf Bässe, Schlagzeug und Gesang weitestgehend verzichtet wird. »Krieg und Frieden« funktioniert tatsächlich hervorragend als Theatermusik, doch fehlt ihm als eigenständiges Album leider die Kraft. Zu tragend und unausgewogen wirkt es ohne die dafür vorgesehene und auch notwendige visuelle Unterstützung der Inszenierung. Dennoch ein gelungener Schritt auf eine ganz neue Form der Bühne.

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