Es gibt diese Künstlernamen, die direkten Rückschluss auf den Sound des Interpreten erlauben. Low End Activist ist ein solcher: Regen Aktivismus in den Low Ends, also den niedrigen Frequenzbereichen seiner Nische elektronischer Tanzmusik, gibt es beim musikalischen Projekt von Larry Edgar Anderson reichlich. Das Aktivistische ist aber durchaus auch politisch zu verstehen.
Beides ist untrennbar mit seiner Herkunft verbunden. Anderson stammt aus der Sozialbausiedlung Blackbird Leys im englischen Oxford, die mit dem reichen Stadtzentrum und der dort ansässigen Elite-Uni so viel zu tun hat wie seine Musik mit glattgebügeltem Stadion-Tech-House. Soll heißen: Low End Activivist hat sich voll und ganz dem Hardcore Continuum verschrieben, also den diversen Resonanzräumen britischer Soundsystem-Kultur: Dubstep, Bass Music, zerfaserter, non-linearer Techno, immer versehen mit der potenziellen Wendung hin zum Schlechten. Und einem omnipräsenten Grollen in den Bassfrequenzen, das das Unheil, die Unsicherheit prekärer Verhältnisse spürbar macht.
Berichte im Bass
So etwa zu hören auf seiner beinahe selbstbetitelten Debüt-EP »Low End Activism« von 2019. Zwischen den Beats von Tracks mit den Namen »Street Level« oder »Neighbourhood Nationalism« lässt Anderson großzügig Hallraum, in dem geisterhafte Vocal-Samples aus der Geschichte von Blackbird Leys zur Entfaltung kommen – darunter MCs eines lange vergangenen Soundsystem-Events, aber auch Mitschnitte sozialer Unruhen.
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Nach einer Zwischenstation in Bristol, quasi dem ästhetischen Bestimmungsort seiner Musik, wohnt Anderson seit Mitte der Zehnerjahre in Berlin. Mit seinem Label Sneaker Social Club – Anderson mischt auch bei BRUK und, na klar, Low End Activism mit – veranstaltet er regelmäßig Partys im OHM und bietet dem Hardcore Continuum damit weiteren Nährboden in der deutschen Bundeshauptstadt.